Hospiz und seine letzten 8 Wochen
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Am 26.03.04 kam unser Vater aus dem Krankenhaus,einen Tag vorher haben wir alles hergerichtet,sein Bett sollte ihm Wohnzimmer stehen,damit er alles mitbekommt,dafür mußte die Essecke weichen. Wir hatten das Glück, dass unser Hospiz in Hochdahl auch ins Haus kommt,unser Vater wäre nie in ein Hospiz gegangen, er wollte seine Blumen blühen sehen,die hatte er für sich gepflanzt,so sollte es dann auch sein. Wie schon erwähnt setzte ich mich mit dem Leiter des Franziskus Hospiz in Hochdahl in Verbindung,wir klärten ab was unser Vater alles für zu Hause brauchte. Meinem Vater erzählte ich,dass wir einen ganz speziellen Pflegedienst gefunden haben,dass Wort Hospiz traute ich nicht zu sagen,ich wußte was mein Vater dann dachte,obwohl wir alle Bescheid wußten,aber das Thema Tod war für ihn Tabu,wir Geschwister haben untereinander darüber geredet aber nie mit ihm.Es war nicht feige von uns,er wollte davon nichts wissen,Herr Jusinski vom Hospiz sagte mal zu uns,wenn unser Vater wüßte,er müßte morgen sterben,würde er übermorgen noch Termine machen und das stimmte leider auch. Was ich aber nicht wußte,dass unser Papa einen Vertrag unterschreiben muß,ups....die Blicke sagten alles..... ich hab ihm gesagt,dass wir einen ganz besonderen Pflegedienst brauchten,die sich auch mit er Schmerzpumpe und dem Port auskannten...dann war er erstmal beruhigt. Herr Jusinski einer unserer Hauptpfleger,kam Nachmittags vorbei unser Vater und er waren direkt ein Herz und eine Seele.Herr Jusinski gab unserem Vater nie das Gefühl das er bald sterben muß,er erzählte Papa immer was er noch alles mit ihm vor hatte.Er sagte zu unserem Vater immer Chef,dass gefiel ihm ganz gut,er grinste dann ....;o) Der ersten Tag an dem er zu Hause war,ging es ihm gar nicht gut,er schlief viel,er war erschöpft aber auch glücklich endlich zu Hause zu sein... Die ersten Tage war er noch ziemlich verwirrt,aber von Tag zu Tag besserte sich sein Zustand,er nahm zu, konnte mit seinem Rollator laufen,brauchte KEIN Sauerstoffgerät,wir fuhren mit dem Rolli spazieren....er lebte auf....wir dachten vielleicht haben sich die Ärzte doch getäuscht? Am 05.04. feierte er seinen 59.jährigen Geburtstag,wir haben ihn sehr genossen,weil wir Kinder wußten,dass es sein letzter sein wird,wir haben ihm all seine Wünsche erfüllt,was er alles für Salate haben wollte ;o) Er wollte von allem probieren,obwohl er manches gar nicht essen konnte,er tat es trotzdem,den Tortellinisalat mußten wir kleinpürieren,er sah nicht mehr sehr schmackhaft aus,er mochte ihn so auch nicht...von einem Nachbarn hattte er eine große Kiste mit Süßigkeiten bekommen,darüber hatte er sich sehr gefreut....wir mußten auch herhalten,immer wenn er die Kiste rum gab,mußten wir was nehmen,wenn nicht war er sauer,er mußte zunehmen nicht wir,wir hatten genug Hüftgold ;o) Mitte April spuckte er Blut,wir bekamen alle einen Schreck,doch nach ein paar Tagen hörte es auf,Fr.Ackermann die 2.Hauptpflgerin,sagte uns das unser Vater auch an einem Blutsturz versterben kann...wir hatten sehr große Angst um ihn... Dann Ende April rief unser Vater mich ganz aufgeregt an und sagte das er ins KH muß,weil seine PEG-Sonde verstopft ist...ich versprach ihm sofort ins KH zu kommen,als wir zu ihm kamen,lachte er uns schon an und sagte,dass er wieder nach Hause kann,durch die ruckelei im RTW sei die Sonde wieder freigeworden,unser Papa war wie ausgewechselt,er hatte so gute Laune,zu mal er vorher den Arzt veräppelt hatte,der Arzt sagte zu ihm,er sähe gut aus und was antwortete Papa? So sieht man aus wenn man 2 Wochen Kanaren hinter sich hat...! ;o) und auf die Frage wie seine Bauchwunde aussieht,sagte mein Vater sie sei zu... Als wir nach Hause kamen,wartete schon Frau Ackermann auf ihn,unser Papa erzählte ihr alles ganz stolz und sie war geschockt,weil die Wunde ja nicht zu war.aber unser Vater lachte und meinte nur,er wußte ganz genau,dass sie zu faul waren,um nach zu schauen ;o) Tja,so war unser Vater!! Anfang Mai fing es an,dass er immer häufiger sein Sauerstoffgerät brauchte,wir schätzen ,dass er sich den 15.Mai als Ziel gesetzt hat,da hatte seine Lebensgefährtin Geburtstag von da an ging es rapide bergab,er röchelte sehr stark,die Ärztin kam und stelle Wasser in der Lunge fest. Er mußte entwässert werden,die ersten Tage stimmte das Verhältnis noch,die Nieren schieden genauso viel aus,wie er rein bekam nur Ende der Woche wurde es weniger,dass war schon ein Zeichen,dass die Nieren nicht mehr richtig arbeiteten Unser Papa schlief immer mehr,er baute jeden Tag mehr ab,aber man sagte uns,seine Batterie wäre nur leer,durch die Entwässerung das schlaucht den Körper,wir müßten ihn nur wieder aufpäppeln... Seine Lebensgefährtin konnte jetzt noch nicht mal mehr einkaufen gehen,er hatte jetzt auch schon am Tage Angst,vorher war es immer so,dass er Angst vor der Nacht hatte,wie oft hatte er meinen Bruder und mich angerufen,weil er einfach nur Angst hatte,wie oft waren wir nachts bei ihm..sobald wir da waren,verschwanden seine Beschwerden und er schlief ein...auch wenn wir es gern gewollt hätten,wie konnten es nicht jede Nacht,mein Bruder mußte arbeiten und ich hatte noch 3 Kinder zu versorgen...es waren harte und anstrengende Wochen,jemand der sowas noch nicht mitgemacht hat,kann das nicht nachvollziehen.....ich wünsche es keinem... Wir sind dem Hospiz auch sehr dankbar,sie haben sich wunderbar um unseren Vater gekümmert aber auch um uns,sie hatten immer ein offenes Ohr für uns... Es kam Freitag der 21.5.,unser Vater hatte wieder Angst vor der Nacht,ich beschloß in der Nacht bei ihm zu schlafen.....es war eine Nacht die werde ich nicht vergessen..alle 2 Stunden wurde er wach,um 2 Uhr wurde es taghell im Wohnzimmer,ich erschrak..und fragte was passiert ist....unser Papa guckte mich über seinen Brillenrand an,hatte die Zeitung vor sich und sagte,er könnte nicht mehr schlafen,ob er eine Tbl. nehmen sollte,ich verneinte,er sollte erst noch ein bisschen lesen und wenn er dann immer noch nicht schlafen kann,soll er eine viertel Tbl. nehmen...er brauchte keine....schlief wieder ein,dann machte er mich wach,ich sollte den Ofen runterdrehen,es wäre so heiß....nach einiger Zeit machte er mich wieder wach,ich sollte den Ofen wieder hoch drehen,er würde frieren...um 4 uhr machte er mich wach,ich sollte ihm bitte die Tropfen,für 8 Uhr fertig machen.ich fragte ihn ob es wirklich sein mußte......aber diejenigen die unseren Vater kannten wußten ....es MUßTe sein.....also gab ich ihm die Tropfen....ich war schon ziemlich fertig....schlief dann ungefähr mal eine stunde durch und stand dann auf....mein Vater schlief aber jetzt ;o) Herr Jusinski kam auch ziemlich fertig zu uns....er hatte auch die Nacht unfreiwillig durchmachen müßen,es war ein Pat.gestorben....zum Glück wußten wir da noch nicht,dass es 2 Tage später bei uns soweit sein sollte. Den ganzen Samstag über hatte mein Bruder und mein Mann in seinem Garten gearbeitet,sie hatten Tannen gefällt,wir mußten unserem Vater immer alles erklären was draußen passierte oder mit der Digi Fotos machen,er sagte zu mir,live sehen ist schon besser,ich zog ihn an...packte seine ganzen Beutel zusammen und wir fuhren raus....er konnte es höchstens 5 Min.aushalten dann wollte er wieder rein....er konnte nicht mehr....sonst ist er immer vom Rolli allein ins Bett gegegangen..aber an diesem Tag mußte ich ihn schon mehr tragen ...er war sehr erschöpft Unser Papa konnte aber immer noch die Lottozahlen kontrollieren und meinte vorher zu uns,wenn er jetzt 6 richtige hat,dann arrangiert er sich eine Nachtschwester,dann müßte er keine Nacht mehr allein sein Am Samstagabend kam die Hospizpflegerin,nachdem sie ihn versorgt hatte,nahm sie mich mit nach draußen und sagte, unser Papa befindet sich im Finalstadium...SCHOCK!!!! was heißt das?wann wird es soweit sein?? das es ihm schlechter ging,dass sahen wir auch,aber wer denkt denn an sterben?wir nicht,ihm ging es schon öfters schlecht..aber er erholte sich auch immer wieder.... In dieser Nacht schlief meine Schwester bei ihm,sie rief mich spät abends an und fragte, ob Papa auch so süßlich gerochen hat und ob er auch so verwirrt gewesen wäre..aber bei mir war er es nicht.... An dem Sonntag war ich gegen 14 Uhr bei ihm,mein Bruder war schon da...es war ein sehr schöner Sonntag,unserem Papa ging es wieder besser,er hat sogar gegessen...was er die ganzen Tage zuvor nicht tat..gegen 17.45 uhr fragte er mich ob ich ihn waschen könnte,er möchte gleich die Lindenstrasse gucken...also hab ich es sofort getan...er hatte sehr viel Schleim in den Augen und seine Augen sahen so trüb aus...seine Zunge war weiß belegt,ich sagte noch zu ihm,er müßte mehr trinken,weil ich dachte es liegt daran...woher sollte ich wissen,dass es Anzeichen seines Sterbens waren?.Unser Papa trank auch direkt,er war so lieb,er tat auch alles was wir ihm sagten,was für sein Wohlbefinden gut war,ich erinnere mich jetzt an eine Situation im KH,er hatte immer Bauchweh und eine ganz tolle Apothekein empfahl mir Wermuttee...ich sollte ihn nur 2-3 Min.ziehen lassen..aber ich hab es länger ziehen lassen....unser Papa trank einen kräfigen Schluck,ich dachte er bekommt keine Luft,er fragte mich ob ich ihn umbringen wollte,(so komische scherze machte er noch) ich hatte einen neuen Tee zubereitet und ihn nur ganz kurz ziehen lassen und probiert,die jenigen die ihn schon mal probiert haben...wissen wovon ich spreche ;o) er schmeckt wirklich scheußlich... jetzt zurück zum 23.05. ich hatte ihn gewaschen,er hat sich noch seinen Schnäutzer gestutzt...meine Schwester hatte ihm noch die Haare geschnitten...und dann fing die Lindenstrasse an,es kam aber die Schwester ,ich sagte noch zu ihm,du kannst dir ja morgenfrüh die Wiederholung anschauen,woher hätte ich wissen sollen,dass er dann nicht mehr bei uns ist???? Um ca. 20 Uhr fuhr ich nach Hause,weil ich meine Kinder fürs Bett fertig machen mußte,meine Geschwister waren noch bei ihm.....wie immer gegen 21 Uhr rief ich ihn noch mal an..(ich rief ihn oft an,ich wußte das ich ihn damit schon nervte..ich wollte einfach seine Stimme hören,ich hatte Angst sie zu vergessen),die Lebensgefährtin sagte mir,dass er schlecht Luft bekommt,dass Hospiz hatte sie schon verständigt,ich rief meinen Bruder an(der um die Ecke wohnt),er sollte mal nachschauen,weil es Papa nicht gut geht..meine Schwester rief ich auch an...sie wollte auch sofort zu ihm fahren...ich blieb in telefonischem Kontakt mit meinem Bruder....die Atemnot wurde immer schlimmer ,meine Schwester machte Atemübungen mit ihm und er beruhigte sich etwas...warum bin ich nicht hingefahren??Papa,hatte in den letzen Tagen so oft Atemnot,woher sollte ich wissen,das es jetzt ernst wird? Gegen 22.30 uhr sagte mein Bruder zu mir,wenn du ihn nochmal lebend sehen willst,dann komm jetzt.....oh je...mir wurde schlecht,ich hab versucht nach einer Ausrede zu suchen,konnte ich meine Kinder allein lassen,sicher konnte ich das,meine beiden älteren waren schon in der Lage allein zubleiben,ich wollte nicht zu meinem Vater fahren,ich hatte Angst,Angst vor dem was mich erwartet,,ich wollte nie dabei sein wenn er stirbt...aber irgendwas in mir sagte fahr...ich fuhr mit meinem Mann zu meinem Vater,die 5 Minuten Fahrt waren Horror,ich hatte bestimmt einen Puls von 200, hatte einen ganz trockenen Mund....aber mir war es egal wie es mir jetzt ging,ich mußte zu meinem Vater... Als wie ankamen,war er nach Luft am schnappen..er war noch bei bewußtsein....Herr Jusinski war auch schon da,er wollte ihm was zu spritzen...ich sollte den Port halten,meine Hand war am zittern...Herr Jusinski versuchte mich zu beruhigen.... ab jetzt kämpfte unser Papa mit dem Tod,es war schlimm in Leiden zusehen,aber Herr Jusinski sagte,es sei alles normal,mein Papa müßte so atmen wegen seiner Lungenmetas,es hört sich für uns schlimm an,für ihn ist es nicht so schlimm.. Einzelne Details möchte ich Euch jetzt ersparen...wir sind uns sicher,dass es unser Vater nicht gewollt hätte,deswegen zeigen wir auch keine Fotos aus seiner Krankheit in der HP,unser Papa war immer Eitel und er gefiel sich so selber nicht und wollte bestimmt auch nicht das wie sie ins Internet stellen Nur soviel noch,unser Papa hatte 3 Stunden gekämpft...die ersten 2 Stunden konnte er nicht loslassen...er hatte immer wieder nach einer Hand gegriffen,die letzte Stunde hatte er losgelassen und wollte sie nicht mehr..... Um ca.1 Uhr wurde er wieder unruhiger er bekam noch eine Spritze ...um ca.1.10 uhr guckte unser Papa in eine ganz andere Richtung und lächelte....ich bin mir sicher das ihn einer abholte,wir haben gesagt, unsere Mama hat ihn abgeholt...um ca. 1.15 uhr waren wir alle um sein Bett versammelt....wir hatten unseren Vater losgelassen...Herr Jusinski gab uns ein Zeichen,dass es jetzt zu Ende geht,ich streichelte seinen Kopf,mein Mann seine Hand..meine Geschwister seine Beine....Mein Mann sagte,dann zu ihm..das alles ok ist und er gehen kann,wenn er möchte.....mein Mann hatte das gerade ausgesprochen..atemte mein Papa noch 2mal aus..und war nicht mehr in unserer Welt...so friedlich wie er jetzt da lag...so entspannt hab ich ihn die ganzen Jahre seiner Krankheit nicht gesehen..wir sind alle dankbar,dass unser Papa es zugelassen hat,dass wir ihn begleiten durften. Herr Jusinski machte ihn dann fertig..und weil unser Papa zu Hause starb mußten wir noch 4 Stunden warten bis wir einen Arzt anrufen konnten,der die Sterbebescheinigung ausfüllt.... Unser Papa wurde um ca. 6.30 Uhr abgeholt und wir waren die ganze Zeit bei ihm,wir konnten Abschied nehmen,wir hätten ihn am liebsten nicht gehen gehen lassen,es war ein ganz ruhige Stimmung in dem Raum,wir hatten keine Angst vor ihm,ich mein weil er jetzt tot war,aber es war halt unser Papa,wir konnten ihm zum Abschied sogar noch küßen.... Wir möchten uns hier nochmal ganz herzlich bei Herrn Jusinki bedanken,er hat soviel für unsreren Vater und für uns getan,dass werden wir ihm nie vergessen!!!! Ohne ihn wären wir in der Nacht total überfordert gewesen und hätten den RTW geholt und im Krankenhaus wäre er bestimmt nicht in Würde gestorben.. Die 8 Wochen gingen so schnell vorbei,wie haben sie so genossen..,obwohl wir wußten das unser Papa sterben wird,ging es bei uns zu Hause lustig zu,es war keine traurige Stimmung(bis auf die letzten Tage)unser Vater hat für die Stimmung gesorgt. Da wir nie mit unserem Vater über den Tod reden konnten,er hätte es nicht zugelassen,(weil er immer sagte er wird wieder gesund,)haben wir nicht das Gefühl,ihm irgendwas nicht gesagt zu haben.ich glaube er hat unsere Liebe und Dankbarkeit gespürt die wir ihm gegenüber empfanden und immer noch empfinden.... Wir vermissen ihn sehr ,dass wird immer so bleiben.... Lieben heißt loslassen.....das mußten wir lernen.....wir haben ihn losgelassen.....wir hoffen er geht jetzt seinen eigenen Weg in der neuen Welt und wenn unsere Zeit gekommen ist...sehen wir uns vielleicht wieder.....
Vielen lieben Dank an das Franziskus Hospiz Team..... http://www.franziskus-hospiz-hochdahl.de/
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|Mail: Daniela Sommrey&Janine Hüsmann |


